Aus dem Sanella-Album Australien Neuseeland

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Doch das sollt ihr euch später an Ort und Stelle ansehen!" "Da kommt aber doch Rauch aus dem Berg heraus!" meint Klaus zweifelnd und schaut mich etwas unbehaglich an. "Das ist der Ngauruhoe. Der liegt gleich hinter dem Ruapehu und befindet sich noch bei bester Gesundheit. Gelegentlich wirft er mit viel Getöse und Dampf Schlacken, Steinbrocken und Lava aus. Eigentlich wollte ich euch den Krater zeigen; aber ich fürchte, man wird uns jetzt nicht hinauflassen. Die Aschenwolke wird übrigens immer größer!" Freddy hat recht. Der helle Dampfpilz, der über dem Krater steht, wächst höher und höher und wird allmählich grau, dunkelgrau. In der Luft - oder ist es in der Erde?-liegt ein dumpfes Grollen. "Die Farmer, die in der Nähe des Berges ihr Land haben, sind übrigens gar nicht böse, wenn es gelegentlich Asche regnet - gerade jetzt im Winter -, denn das düngt den Boden und kostet nichts!" erzählt Freddy und drückt auf den Starter. Aber der Motor springt nicht an. Freddy versucht es noch einmal. Nichts zu machen. Also 'raus und nachsehen. Nach zwei Stunden ist der Schaden behoben - die Benzinpumpe war verstopft. Wir alle sehen aus wie Autoschlosser. "Eigentlich müßten wir den Wagen einmal neu abschmieren", lacht Klaus. "Denn das meiste Öl haben wir jetzt im Gesicht und an den Händen sitzen!" "Das werden wir gleich haben", sagt Freddy geheimnisvoll. In schneller Fahrt geht es weiter nach Norden, vorbei an einer Kette von Vulkanen, die aber - mit Beruhigung stelle ich das fest - nicht gerade die Äcker düngen. Und dann liegt auf einmal ein riesiger, leuchtend blauer See, eingefaßt von Bergen und Felsterrassen, vor uns!

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Es ist der Tauposee, 626 Quadratkilometer groß. "Dann ist er ja größer als unser Bodensee in Deutschland!" stellt Klaus fest. "Und da kann man ja schon nicht von einem Ufer zum anderen gucken!" Aber Freddy hat es eilig, weiterzukommen. "Wartet nur, gleich werdet ihr staunen!" spannt er uns auf die Folter. Mir wird schon wieder etwas ungemütlich. Denn überall, rechts und links zwischen den Felsen und Farnbüscheln, steigen weiße Dampfwolken auf, und es zischt, als wäre irgendwo ein Heizungsrohr geplatzt. Der Wagen hält. Freddy führt uns zwischen zerklüfteten Felsen einen Weg hinauf. An einem Felsbecken, in dem das Wasser dampft und brodelt, hält er an.

Badewannen und Brandblasen

"So, jetzt können wir uns den Dreck abwaschen!" grinst er. "Fließend heißes Wasser mit Badewanne - was wollt ihr mehr?" Klaus ist schon dabei, Schuhe und Strümpfe auszuziehen. Aber Freddy warnt: "Hier nicht. Hier hat das Wasser eine Temperatur von 96 Grad. Aber aus diesem Becken fließt das Wasser nach unten in viele kleine Felslöcher, und je tiefer man kommt, um so kälter wird es." Ein paar Minuten später sitzen wir alle drei in einer mollig warmen Felsbadewanne und schrubben uns die Spuren der Autoreparatur von der Haut. Dann laufen wir hinunter zum See - Kopfsprung. Donnerwetter, ist das kalt!

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